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27.09.2013

Anders, neu und ein bisschen gefährlich – Kino im Untergrund!

Eine Kinovorstellung auf unkonventionelle Art erleben? Das ist seit sechs Jahren das Ziel ehemaliger Studenten aus Leipzig. Sie organisieren das sogenannte Guerilla-Kino. Vorzugsweise in alten verlassenen Fabrikhallen oder Wohnhäusern werden provisorisch Leinwände aufgebaut und Filme abgespielt.

Die Besucher können es sich dann mit Kerzen und Decken auf dem Boden gemütlich machen und den Kinoabend genießen. Doch wer die aktuellsten Hollywood-Blockbuster erwartet, ist hier definitiv falsch. Eher unbekannte, aber in jedem Fall sehenswerte Filme, beispielsweise aus den frühen 60er Jahren, stehen hier auf dem Programm.

Als Teil des Teams „Fernsehen unter Tage“, begleitet der Leipziger Fotograf Johannes Walther seit einigen Jahren das Projekt und erstellt zu jeder dieser Veranstaltungen Bilder, die die besondere Atmosphäre vor Ort widerspiegeln.

Einmal im Monat finden diese Treffen statt, immer an wechselnden Orten. Mittlerweile wollen bis zu 200 Cineasten an den Filmeabenden teilnehmen. Sie müssen sich lediglich in einem E-Mail-Verteiler eintragen und bekommen erst kurz vor dem Treffen den bis dato unbekannten Veranstaltungstag, die Uhrzeit und den Ort mitgeteilt. Alles muss ganz diskret, heimlich und schnell gehen. Denn legal ist die Sache ganz und gar nicht!

Folgt man dem Aufruf über das Internet, führen dann ab dem Treffpunkt Lichtzeichen und Helfer zum Ort des Geschehens. Hier geht der Weg durch eine durchbrochene Wand in die Räume einer verlassenen Fabrik.

Die verlassenen Gebäude sind selbstverständlich eine außergewöhnliche und spannende Location für eine Filmpräsentation. Doch diese Abbruchhäuser als Veranstaltungsort zu nutzen, verstößt gegen jegliche Brandschutzvorschriften und geltendes Baurecht.

Oben links: Wo in den 90er Jahren noch Technoparties stattfanden, erhellen sich die Gemäuer noch einmal für die Leipziger Cineasten, wie hier im April diesen Jahres im Stadtteil Connewitz. Unten links: Auf dem Kasernengelände der russichen Streitkräfte findet im August 2011 das Untergrund-Kino in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes statt. Rechts: Im September 2011 findet die 29. „Fernsehen unter Tage-Veranstaltung“ in den feuchten Kellern einer ehemaligen Brauerei statt.

Die Gebäude sind meist baufällig oder einsturzgefährdet, ganz zu schweigen von nicht vorhandenen Fluchtwegen, fehlenden Sicherheitsmaßnahmen uvm. Daher muss die Polizei nun doch härter durchgreifen. Auf noch unbekannte Weise hat die Polizei schon mehrfach „Wind“ von den geheimen Treffen bekommen und beendeten so die geplanten Kinoabende schon vor Beginn der Vorstellung. Eine Lösung für diese Probleme zu finden ist nicht so einfach, aber vielleicht dennoch machbar. Die letzten Male dienten verlassene und verfallene Wohnhäuser als Veranstaltungsort, die von Freunden oder Bekannten angeboten wurden. So machte sich auch niemand strafbar.

Ob das Guerilla-Kino in dieser Art und Weise auch außerhalb von Leipzig eine Zukunft hat, ist ungewiss. Wir fänden es klasse, wenn sich ein derartiges Konzept im Einklang mit sämtlichen rechtlichen Vorschriften realisieren lassen würde.

Wir danken dem in Leipzig lebenden und arbeitenden Fotografen Johannes Walther für die Bereitstellung der Bilder aus seiner Foto-Strecke „Fernsehen unter Tage“.

Fotos: Johannes Walther

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